

















Esther Kunz
Lau ist die Sommernacht und sternenübersät der Himmel, als wir in Belgrad ablegen. Lautlos gleitet das MS «Excellence» auf der Save dahin bis zur Mündung in die Donau. Über uns die hell erleuchtete Burg Kalemegdan, das mittelalterliche Wahrzeichen der Millionenstadt. Peu à peu verschwinden die letzten Lichter im Heckwasser. An Deck sitzt noch eine Handvoll Passagiere, um die schwarze, sich wie ein Scherenschnitt ausnehmende Uferlandschaft vorbeiziehen zu sehen, die märchenhaft und gespenstisch zugleich anmutet. Bald hüllt uns die Nacht komplett ein, und das Deck vereinsamt. Vor uns liegt der landschaftlich spektakulärste und aufregendste Abschnitt einer Donau-Kreuzfahrt: durch die von Legenden und Horrorgeschichten umwobene enge Passage im serbisch-rumänischen Grenzgebiet, das gefürchtete Eiserne Tor.
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Steigende Spannung
Am Morgen lässt sich um 5 Uhr 30 wecken, wer die Einfahrt nicht verpassen will. Bereits kurz vor Tagesanbruch stehe ich fröstelnd an Deck. Es ist unfreundlich, neblig und kühl wie an Novembertagen am Zürichsee. Rundum Wasser, eine Orientierung somit unmöglich. Die Spannung unter den Passagieren nimmt sichtlich zu. Wird uns der Wettergott gut gesinnt sein? Im Augenblick sieht es nicht danach aus. Mit über 100 Kilometer Länge ist das Eiserne Tor eines der grossen Naturwunder Europas, das kein Gast bei Nebel und Nieselregen zu passieren wünscht.
Gigantische Felswände
Mein Aussichtsplatz ist am Bug, direkt unter der Brücke. Da liegt einem das ganze Uferpanorama buchstäblich zu Füssen, und nichts entgeht dem wachsamen Auge. Erste zaghafte Vogelstimmen künden vom nahen Ufer. Wie Schleier huschen Nebelfetzen über das glatte Wasser. Die Donau verengt sich immer mehr, als plötzlich der Vorhang aufreisst. Auf Steuerbordseite markieren die imposanten Reste der Festung Golubac den Eingang zum Eisernen Tor. Unmittelbar danach rücken die Berge der südlichen Karpaten abrupt zusammen. Zu beiden Seiten steil aus dem Wasser steigende gigantische Felswände, teilweise mit Wald überzogen. Wildromantische, stets wechselnde Uferformationen, die uns den Atem anhalten lassen. An der engsten Stelle bei Kazan sind die Ufer nur 120 Meter voneinander entfernt.
In Schweigen gehüllt, nehmen wir dieses gewaltige landschaftliche Schauspiel in uns auf. Es wird, bis auf wenige Abschnitte, die ganze Katarakt-Strecke bestimmen. Eingeklemmt zwischen Balkan und Karpaten, nimmt die Donau hier einen fjordähnlichen Charakter an. Bevor der Fluss gestaut wurde, war die Schifffahrt auf diesem Abschnitt gefährlich. Untiefen, starke Strömung, Felsbänke und Felsvorsprünge verunmöglichten oft die Passage. So versuchte man unzählige Male im Laufe der Jahrhunderte, den Strom zu bändigen, war er doch der bedeutendste Verkehrs- und Handelsweg zwischen dem Schwarzmeerraum und den nördlichen Landen. Vor rund 30 Jahren wurden Staudamm, Kraftwerk und die beiden Schleusen Serdap I und II gebaut, ein Gemeinschaftswerk von Rumänen und Jugoslawen, eingeweiht 1972. Der Wasserspiegel stieg um 35 Meter, 17 Ortschaften wurden überflutet, rund 25 000 Menschen umgesiedelt. Seitdem ist die Durchfahrt auch für kleine Schiffe problemlos. Die berühmte Trajanstafel erinnert an den römischen Kaiser, der die erste Strasse in die Felsen schlagen liess, um das Eiserne Tor für seine Truppen passierbar zu machen und den Nachschub zu gewährleisten.
Nach der zweiten Schleuse verändert sich das Ufer rasch. Die Donau weitet sich aus, die Berge weichen zurück, Auenwälder, so weit das Auge reicht. Es wird eben, gleichförmiger, doch nie langweilig. Bis zum Delta werden wir noch rund 900 Kilometer zurücklegen.
Als neues Vierstern-plus-Flaggschiff des Reisebüros Mittelthurgau Fluss- und Kreuzfahrten, 8570 Weinfelden, wird das MS «Excellence» auf Rhein, Mosel, Main eingesetzt, im Sommer vorwiegend auf der Donau. Das Highlight ist die Fahrt ab Passau bis zum Donaudelta. Das MS «Excellence» verfügt über 71 geräumige und geschmackvoll ausgestattete Aussenkabinen, die meisten mit raumhoher Fensterfront und Balkon. www.mittelthurgau.ch.










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