Artikel von Esther Kunz Braunschweig

 

    

 

Wendezeit 1/09 -Januar/Februar 2009

 

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Wendezeit 6/08 -November/Dezember 2008

NZZ - 9. Oktober 2008

Reise in eine ruhmlose Vergangenheit

Sturmtief

Wendezeit 5/08 - September/Oktober 2008

Wendezeit 4/08 - Juli/August 2008

 

Wendezeit 4/08 - Juli/August 2008

 

NZZ - 19. Juni 2008

Fahrt durchs Eiserne Tor

Ein unvergessliches Naturschauspiel in den südlichen Karpaten

Welch hohe Bedeutung die Donau seit Römerzeiten für die Menschen hat, wird Reisenden meist erst bei einer Fahrt auf diesem Fluss bewusst. Sein landschaftlich spektakulärster Abschnitt ist die von Legenden umwobene enge Passage, das Eiserne Tor, in den südlichen Karpaten.

Esther Kunz

Lau ist die Sommernacht und sternenübersät der Himmel, als wir in Belgrad ablegen. Lautlos gleitet das MS «Excellence» auf der Save dahin bis zur Mündung in die Donau. Über uns die hell erleuchtete Burg Kalemegdan, das mittelalterliche Wahrzeichen der Millionenstadt. Peu à peu verschwinden die letzten Lichter im Heckwasser. An Deck sitzt noch eine Handvoll Passagiere, um die schwarze, sich wie ein Scherenschnitt ausnehmende Uferlandschaft vorbeiziehen zu sehen, die märchenhaft und gespenstisch zugleich anmutet. Bald hüllt uns die Nacht komplett ein, und das Deck vereinsamt. Vor uns liegt der landschaftlich spektakulärste und aufregendste Abschnitt einer Donau-Kreuzfahrt: durch die von Legenden und Horrorgeschichten umwobene enge Passage im serbisch-rumänischen Grenzgebiet, das gefürchtete Eiserne Tor.
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Steigende Spannung

Am Morgen lässt sich um 5 Uhr 30 wecken, wer die Einfahrt nicht verpassen will. Bereits kurz vor Tagesanbruch stehe ich fröstelnd an Deck. Es ist unfreundlich, neblig und kühl wie an Novembertagen am Zürichsee. Rundum Wasser, eine Orientierung somit unmöglich. Die Spannung unter den Passagieren nimmt sichtlich zu. Wird uns der Wettergott gut gesinnt sein? Im Augenblick sieht es nicht danach aus. Mit über 100 Kilometer Länge ist das Eiserne Tor eines der grossen Naturwunder Europas, das kein Gast bei Nebel und Nieselregen zu passieren wünscht.
Gigantische Felswände

Mein Aussichtsplatz ist am Bug, direkt unter der Brücke. Da liegt einem das ganze Uferpanorama buchstäblich zu Füssen, und nichts entgeht dem wachsamen Auge. Erste zaghafte Vogelstimmen künden vom nahen Ufer. Wie Schleier huschen Nebelfetzen über das glatte Wasser. Die Donau verengt sich immer mehr, als plötzlich der Vorhang aufreisst. Auf Steuerbordseite markieren die imposanten Reste der Festung Golubac den Eingang zum Eisernen Tor. Unmittelbar danach rücken die Berge der südlichen Karpaten abrupt zusammen. Zu beiden Seiten steil aus dem Wasser steigende gigantische Felswände, teilweise mit Wald überzogen. Wildromantische, stets wechselnde Uferformationen, die uns den Atem anhalten lassen. An der engsten Stelle bei Kazan sind die Ufer nur 120 Meter voneinander entfernt.

In Schweigen gehüllt, nehmen wir dieses gewaltige landschaftliche Schauspiel in uns auf. Es wird, bis auf wenige Abschnitte, die ganze Katarakt-Strecke bestimmen. Eingeklemmt zwischen Balkan und Karpaten, nimmt die Donau hier einen fjordähnlichen Charakter an. Bevor der Fluss gestaut wurde, war die Schifffahrt auf diesem Abschnitt gefährlich. Untiefen, starke Strömung, Felsbänke und Felsvorsprünge verunmöglichten oft die Passage. So versuchte man unzählige Male im Laufe der Jahrhunderte, den Strom zu bändigen, war er doch der bedeutendste Verkehrs- und Handelsweg zwischen dem Schwarzmeerraum und den nördlichen Landen. Vor rund 30 Jahren wurden Staudamm, Kraftwerk und die beiden Schleusen Serdap I und II gebaut, ein Gemeinschaftswerk von Rumänen und Jugoslawen, eingeweiht 1972. Der Wasserspiegel stieg um 35 Meter, 17 Ortschaften wurden überflutet, rund 25 000 Menschen umgesiedelt. Seitdem ist die Durchfahrt auch für kleine Schiffe problemlos. Die berühmte Trajanstafel erinnert an den römischen Kaiser, der die erste Strasse in die Felsen schlagen liess, um das Eiserne Tor für seine Truppen passierbar zu machen und den Nachschub zu gewährleisten.

Nach der zweiten Schleuse verändert sich das Ufer rasch. Die Donau weitet sich aus, die Berge weichen zurück, Auenwälder, so weit das Auge reicht. Es wird eben, gleichförmiger, doch nie langweilig. Bis zum Delta werden wir noch rund 900 Kilometer zurücklegen.

Gut zu wissen

Als neues Vierstern-plus-Flaggschiff des Reisebüros Mittelthurgau Fluss- und Kreuzfahrten, 8570 Weinfelden, wird das MS «Excellence» auf Rhein, Mosel, Main eingesetzt, im Sommer vorwiegend auf der Donau. Das Highlight ist die Fahrt ab Passau bis zum Donaudelta. Das MS «Excellence» verfügt über 71 geräumige und geschmackvoll ausgestattete Aussenkabinen, die meisten mit raumhoher Fensterfront und Balkon. www.mittelthurgau.ch.


Wendezeit 3/08 - Mai/Juni 2008

 

Wendezeit 2/08 - März/April 2008

 

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Wendezeit 4/07 - Juli/August 2007

 

 

Wendezeit 6/06 - November/Dezember 2006:

 

 

Zwischen Europa und Amerika -

mitten auf dem Atlantik

Das Schiff hat den Wendekreis des Krebses passiert und fährt jetzt in der tropischen Zone. Kaum wird es hell, zeigt das Thermometer an Deck bereits 25 Grad. Es ist 7 Uhr. Obwohl die Uhren in dieser Nacht wieder um eine Stunde zurückgestellt wurden und man länger schlafen konnte, sind fast keine Passagiere zu sehen. Das oberste Deck gehört noch mir ganz allein. Ich stelle eine Liege an die Reling, um die Stille des tropischen Morgens voll auszukosten und mich für Augenblicke vom nie endenden Spiel der Wellen forttragen zu lassen bis hin zur silbernen Grenzlinie, wo Meer und Himmelsgewölbe sich zu berühren scheinen. Kimm geheißen, bildet sie ein Rund, eine Scheibe gar, in deren Mitte unser schneeweißes Schiff ruhig dahin gleitet, eine schnurgerade Kiellinie hinter sich zurücklassend.

Im Osten entstehen phantastische Wolkengebilde, die sich pausenlos verändern und wie ein Film am menschlichen Auge vorüberziehen. Noch durchbrechen Sonnenstrahlen die sich zu Türmen aufrichtenden weißen Kumuli, bevor sie sich zu einer imposanten Pyramide zusammenschließen, deren Schenkel das leicht unruhige Meer berühren. Im Nu verändert sich das Szenario. Die Pyramide bleibt, vergrößert und verdichtet sich zusehends, bis sie zu einer bedrohlichen grau-blauen Masse wird, die das Schiff begleitet. Dunkle Schleier kommen über die Wellen auf das Schiff zu gehuscht, doch sie holen es nicht ein. Schaumkronen bilden sich, werden immer zahlreicher. Noch einmal bricht die Sonne durch und wirft für kurze Sekunden ihre goldene Strahlenbahn übers Wasser. Schon zeichnet sich eine kompakte Regenwand ab, hell zum Horizont abfallend, wo wie auf einer Bühne der Vorhang fällt.

Es beginnt des Schauspiels zweiter Akt. Wird der tropische Regenschauer uns einholen, oder fahren wir an dieser gespenstischen Front vorüber? Der Wind frischt fühlbar auf, wird stärker. Die "Sahnehäubchen" auf dem dunklen Wasser mehren sich. Noch erstrahlen im Westen vereinzelte Wolkenberge im Sonnenlicht. Wie lange wohl noch? Da wird die kompakte Pyramide wie von einer Explosion in Stücke gerissen. Wolkenfetzen verteilen sich blitzartig über einen großen Teil des Himmels und setzen dem Schiff eine dunkle Haube auf. Im Osten wird es indes heller und heller, bis es am Horizont zu gleißen und glitzern beginnt.

Das neu geborene Licht bewegt sich schlangengleich auf mich zu. Wird es Ñolus gelingen, die Wolken ein für allemal gen Westen zu pusten, um sie nicht über uns abregnen zu lassen? Kurze tropische Regenschauer sind ja an der Tagesordnung. Da dreht der Wind plötzlich, die raue See kräuselt sich und nur für wenige Sekunden fällt ein feiner Wasserstaub hernieder. Dann ist der Spuk vorbei. Der Himmel über dem Schiff ist wieder tiefblau, der stete Passat so gut wie eingeschlafen, nur der Fahrtwind begleitet uns noch. Die dunkle Regenwand bleibt mehr und mehr zurück und ertrinkt schließlich in unserm Heckwasser ...

Das Sonnendeck beginnt sich zu beleben, Stimmen werden laut, Jogger drehen ihre Runden, die erste Musik quillt aus dem Lautsprecher. Mit dem Träumen ist es vorbei, nicht aber mit nachdenklichem Sinnieren. Vergleiche zwischen vergangenen und heutigen Reisebedingungen auf See drängen sich mir auf. Ich entnehme der Badetasche Bernhard Kays spannenden historischen Roman "Der Navigator", ideale Lektüre für eine Schiffsreise über den Atlantik, und vertiefe mich nochmals in die Kapitel über Kolumbus und seine erste Expedition im Jahre 1492, als er von Palos aus in See stach.

Seit Madeira liegen drei Seetage hinter uns und noch drei weitere sind es, bis wir Barbados erreichen werden. Kolumbus benötigte für diese Distanz mit seinem Flaggschiff SANTA MARIA, begleitet von den beiden kleineren NIÑA und PINTA, fast drei Wochen - erst am 37. Tag sahen sie das erste Land vor sich. Fürunsere heutigen Begriffe waren es winzige Schiffchen; die Karavelle SANTA MARIA, die größte, war 22 Meter lang und 6,7 Meter breit. Auf engstem Raum waren Offiziere, Mannschaften und Königliche Beamte zusammengepfercht, insgesamt 130 an der Zahl, Tiere, Proviant, Waffen und Rüstungen, Schiffsausrüstung, Tauwerk, Ersatzsegel, Geschütze und Pulver - nicht zu vergessen die großen Mengen an Tand und Glasperlen als Tauschobjekt. Auf unserem Cruiseliner stehen jedem Passagier fast 30 BRZ zur Verfügung - auf den Schiffen des Kolumbus mussten sich rund 30 Leute diesen Raum teilen! Niemals zuvor waren Schiffe aus der Alten Welt so weit nach Westen vorgestoßen. Nach den Berechnungen der Kartographen sollte jedoch der Atlantische Ozean nicht so weit und endlos sein wie er sich ihnen offenbarte. So waren es nicht allein Stürme und Flauten, zur Neige gehende Lebensmittel und Mangel an Wasser, welche die Reise gravierend belasteten. Unter der Mannschaft breitete sich Ungewissheit, Unzufriedenheit, Misstrauen, ja Todesangst aus. Man befürchtete zunehmend, sich irgendwann dem Rande der Erdenscheibe zu nähern, dort in ein Nichts zu fallen und von furchtbaren Meeresungeheuern verschlungen zu werden, denn die verheißene Küste hätte ja längst erreicht sein sollen.

Das liegt mehr als 500 Jahre zurück, für uns heutige mit Luxus und Hightech-Navigation verwöhnte Seefahrer kaum nachvollziehbar. Wir wissen zu jeder Stunde genau, wo wir uns befinden und wann wir wo ankommen. Wir schauen träumend den ziehenden Wolken zu und haben keine Furcht. Wir lassen den Wind genüsslich unser Gesicht liebkosen und müssen uns nicht mehr darum kümmern, aus welcher Richtung und in welcher Stärke er bläst. 

 

 

Wendezeit 2/04 - März/April 2004